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Woche 1 · Lektion 1 von 12

Was der Befund ist und wie du ihn erhebst

Der psychopathologische Befund ist eine Momentaufnahme. Er beschreibt, was du im Gespräch an einem Menschen beobachtest und was er dir über sein Erleben berichtet. Er ist noch keine Diagnose. Aus dem Befund, der Vorgeschichte und dem Verlauf entsteht erst später die Verdachtsdiagnose nach ICD-10.

Damit alle dasselbe meinen, gibt es eine einheitliche Fachsprache. In Deutschland ist das das AMDP-System (Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie). Das Manual ist die maßgebliche Quelle für alle Definitionen in diesem Block (AMDP 2018). Die Prüfungsfragen benutzen fast immer diese Begriffe. Wenn du sie sicher kannst, löst du einen großen Teil der 28 Fragen allein über die Begriffe.

Die Bereiche des Befunds

Du gehst im Kopf immer dieselbe Liste durch. Die Reihenfolge hilft dir in der mündlichen Prüfung, nichts zu vergessen.

BereichKernfrageLektion
BewusstseinIst die Person wach und klar?1.2
OrientierungWeiß sie, wann, wo und wer sie ist?1.3
Aufmerksamkeit und GedächtnisKann sie folgen, sich etwas merken, sich erinnern?1.4, 1.5
Antrieb und PsychomotorikWie viel Energie, wie bewegt sie sich?1.6
Formales DenkenWie denkt sie: Tempo, Zusammenhang?2.1
Inhaltliches DenkenWas denkt sie: Wahn, Zwang, Befürchtungen?2.2
WahrnehmungNimmt sie etwas wahr, das nicht da ist?2.3
Ich-ErlebenSind die Grenzen zwischen Ich und Welt intakt?2.4
AffektivitätWie ist die Stimmung, passt der Ausdruck?2.5
Suizidalität und Eigen- oder FremdgefährdungIst jemand in Gefahr?Block 4

Beobachten und Erfragen

Manches siehst du direkt, etwa Unruhe, eine starre Mimik oder ob jemand ständig das Thema verliert. Anderes erfährst du nur durch Fragen, zum Beispiel Stimmen oder Gedanken, die von außen eingegeben werden. Viele Betroffene sprechen solche Erlebnisse nicht von sich aus an. Du musst also gezielt und ohne Wertung fragen.

„Manche Menschen erleben in belastenden Zeiten, dass sie Stimmen hören, obwohl niemand im Raum ist. Kennen Sie so etwas?“

Prüfungsfalle

Ein Symptom allein ergibt keine Diagnose. Fast jedes Symptom kann organisch bedingt sein. Bevor du an eine rein psychische Ursache denkst, muss eine körperliche Ursache ärztlich ausgeschlossen sein. Diese Haltung prüft das Gremium in jeder mündlichen Prüfung.

Selbst abrufen
Was unterscheidet einen Befund von einer Diagnose?

Der Befund beschreibt die aktuell beobachteten und berichteten Auffälligkeiten. Die Diagnose ordnet sie unter Einbezug von Vorgeschichte, Verlauf und körperlicher Abklärung einer Störung nach ICD-10 zu.

Nenne die Befundbereiche in der richtigen Reihenfolge.

Bewusstsein, Orientierung, Aufmerksamkeit und Gedächtnis, Antrieb und Psychomotorik, formales Denken, inhaltliches Denken, Wahrnehmung, Ich-Erleben, Affektivität, Gefährdung.